Geschichte des Ortes

Wie frühzeitige Funde belegen, war die Besiedelung des Gebietes schon lange vor der Ersterwähnung Uftrungens im Jahre 890 erfolgt. Nicht nur Ackerbau, sondern auch Jagd und Fischfang waren die Ernährungsgrundlagen unserer Vorfahren. Das Tal der Thyra bot dazu beste Voraussetzungen. Zusätzlich wirkte sich der vorhandene Holzreichtum der einheimischen Wälder positiv aus. All diese Bedingungen fand man zwischen dem „Alten Stolberg“ in Form der Schableite (Schafleite) und dem Höhenzug des „Seebergs“. Im Norden war das Gebiet zusätzlich begrenzt und abgeschirmt durch die ersten Harzberge. Wie Knochenfunde im Eingangsbereich bewiesen, stellte bereits damals die Höhle „Heimkehle“ Schutz und Unterkunft für Siedler und Jäger dar. Schließlich waren die ersten primitiven Hütten aus Holz und Lehm am Zusammenfluss der Hasel und Thyra entstanden. Weitere Funde frühzeitiger menschlicher Besiedelung wurden z.B. in der „Diebeshohle“, sowie im „Diebwinkel“ bei der heutigen Untermühle und beim heutigen Gasthaus „Thyra-Fuchs“ sichergestellt. Aus den ehemaligen Siedlern entwickelten sich Jäger und Bauern. Mehr und mehr musste das Gemeinwohl reglementiert und dementsprechend überwacht werden. So wurden Dorfälteste gewählt, die für das Wohl und Wehe des Ortes zu sorgen hatten. Da auch zur damaligen Zeit Streit und Diebstahl zu schlichten waren, wurde an eigens dafür ausgewählten Orten „Gericht gehalten“ oder wie man zu sagen pflegte „hochnotpeinlich befragt“. Dieser peinlichen Befragung verdankt noch heute eine Anhöhe östlich des Ortes der „Peinberg“ seinen Namen. Wie bereits erwähnt, erfolgten die ersten Ansiedlungen am Zusammenlauf von Hasel und Thyra. Daraus wird auch der Name des Ortes abgeleitet.

Beachtet man die Silben und Buchstabenfolge, ergibt sich folgende Übersetzung

Uf – Oben
Tr – Thyra
Ungen – Ort

Zusammengefasst bedeutet dies „der oben an der Thyra gelegene Ort“.

Allerdings hat sich die Schreibweise des Namens im Laufe der Jahrhunderte verschiedentlich geändert. Dafür einige Beispiele:

Im Jahre 1275 Ufthirungen

Im Jahre 1303 Uftherunghen

Im Jahre 1304 Oftherungen

Im Jahre 1348 Uftyhrungen

Eine erste nachweisbare Erwähnung des Ortes datiert aus dem Jahre 890. Die Besiedelung der heutigen Ortslage Uftrungen begann mindestens 200 Jahre später, also zu einer Zeit, in der Uftrungen als solches schon Bestand hatte. Es waren vier Mühlen in Betrieb, was darauf schließen lässt, dass die Bewohner vorwiegend Riedbauern waren. Dieser Ortsteil befand sich an dem noch heute bekannten „Altendorf“ (bekannt noch heute Thyra-Fuchs, gegenüber die damalige Kirche mit Friedhof und eine Töpferei, sowie eine Ölmühle).

Das alljährlich auftretende Hochwasser, bedingt durch die Schneeschmelze im Harz, mag letztlich der wesentliche Grund für den Umzug des Ortes in höher gelegene Gebiete gewesen sein. Am 20. November 1437 überfällt Bischof Burkhard IV. von Halberstadt die Grafschaft Stolberg und zerstört das Nachbardorf Bernecke. Im Jahre 1619 wurde durch den Graf von Stolberg eine Domäne gebaut, die schließlich Anlass zum endgültigen Verlassen des alten Ortsteiles war. Zu dieser Zeit war der Bergbau nach Kupferschiefer in unserer Region bereits stark verbreitet. Er erfolgte als Übertageabbau, was noch heute durch vorhandene Halden erkennbar ist. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass sich neben den bereits ansässigen Bauern mehr und mehr Bergleute ansiedelten. Bereits eingangs wurde die Gerichtsstätte „Peinberg“ erwähnt. Schon aus dem Jahre 1303 sind urkundliche Nachrichten bekannt, wonach an dieser Stelle Recht gesprochen, Vertrage geschlossen und Kaufhandlungen getätigt wurden. 1357 fand beispielsweise eine Kaufauflassung zugunsten des Klosters llfeld hier statt.

Noch im Jahre 1506 gehörte Uftrungen zum geistlichen Bannbezirk Berga. Erwähnenswert ist in dieser Zeit der Beginn des Baues der Burg „Arnswald“ im Jahre 1217 durch den zweiten Sohn des Burgvoigts Burchardt von Hohenstein. Die Unterdrückung und Ausbeutung der Bauern durch Fürsten und Kloster wurde auch in dieser Gegend immer unerträglicher. So fanden auch hier die Predigten Thomas Müntzers offene Ohren. Es ist anzunehmen, dass auch aus Uftrungen etwa 20 Bauern an der Schlacht bei Bad Frankenhausen teilnahmen. Etwa 100 Jahre später, 1625, bleibt auch Uftrungen vom Dreißigjährigen Krieg nicht verschont. Es quartierten sich in der Gegend die kaiserlichen Heere Tillys ein. Soldaten des Wallensteinischen Heeres bevölkerten Uftrungen, und es entstand der noch heute bekannte Flecken „Heerstall“. Zwangsläufig brachte die Einquartierung Not und Elend in das Dorf. Im Jahre 1626 wurde die Pest eingeschleppt, an deren Folgen 375 Einwohner starben. Bereits in dieser Zeit flohen viele Einwohner in den Schutz der Höhle „Heimkehle“.

In den Jahren 1628 bis 1641 ist der Ort ständigen Plünderungen ausgesetzt, was ebenfalls unsägliches Leid bringt, so dass der Ort fast ausstarb.

Das Revolutionsjahr 1848 bringt erneut Sorgen, Unruhe, aber auch Widerspenstigkeit der Bevölkerung in den Ort. Es kam immer wiederkehrend zu Unruhen und Anschlägen in Uftrungen.

Der Beginn des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 forderte auch von Uftrungen seinen Tribut. 38 Bürger der Gemeinde verlieren ihr Leben auf den Schlachtfeldern des Krieges. Im Ergebnis und nach Ende des Krieges herrschen, wie vielerorts, Hunger und Elend. In den Jahren 1923 und später organisieren sich auch in Uftrungen die KPD, SPD, NSDAP und andere Parteien. Mit der Übernahme der Macht 1933 durch das nationalsozialistische System werden SPD und KPD wieder verboten. Die wirtschaftliche Situation, zu dieser Zeit als katastrophal zu bezeichnen, verbessert sich aber durch die umfangreichen Rüstungsmaßnahmen sprunghaft. Nur wenige sehen in dieser Entwicklung die Katastrophe 2. Weltkrieg auf sich zukommen. Der Ausbruch des Krieges kostete allein in Uftrungen über 90 Menschen das Leben. Die bereits benannte Höhle „Heimkehle“ wird 1934 zum Rüstungsbetrieb umgebaut und für unzählige Häftlinge des „KZ Dora“ zur Zwangsarbeitsstelle. Aber auch dieses Elend fand mit dem Hissen der weißen Flagge auf dem Kirchturm am Morgen des 12. April 1945 sein Ende. Gegen 10.00 Uhr rückten die amerikanischen Panzer in den Ort ein und übernahmen zunächst die Kontrolle. Bereits am 05. Juli 1945 zogen dann die Soldaten der Sowjetarmee in Uftrungen ein und die amerikanische Besatzungszeit war damit beendet. Erste Beratungen mit sowjetischen Offizieren und Einwohnern des Ortes folgten. Es begann die Zeit der sozialistischen Umgestaltung. Die Güter und Ländereien der Domäne wurden enteignet und als Bodenreformland landarmen Bauern und Umsiedlern zur Verfügung gestellt.

Die „Heimkehle“ als Rüstungsbetrieb wurde gesprengt und dadurch bedingt nicht mehr für die Öffentlichkeit begehbar. Zu dieser Zeit wird auch eine große Anzahl sogenannter Flüchtlinge und Umsiedler, speziell aus den früheren Ostgebieten, im Dorf aufgenommen.

Ein großer Teil davon wird in Uftrungen in den folgenden Jahren ansässig. Die Umgestaltung der Landwirtschaft macht auch um Uftrungen keinen Bogen und es ist am 23.12.1959 das 13. vollgenossenschaftliche Dorf des Kreises Sangerhausen. Weitere Stationen der Entwicklung des Ortes waren:

1959 wird mit der Pflasterung der Hauptstraße begonnen, die 1961 beendet wird

1977 wird zur zentralen Wasserversorgung des Ortes ein Tiefbrunnen in der Nahe der Heimkehle gebohrt. Das Wasserleitungsnetz wird in den Folgejahren ausgebaut und bis 1984 abgeschlossen.

Am 15.07.1978 wird die neue Kaufhalle an der Hauptstraße ihrer Bestimmung übergeben.

Auf dem Gelände des ehemaligen Schulhofes wird 1983 eine Kinderkrippe errichtet. Auf Grund des eingetretenen Erdfalles vom 26.03.1984 am Grundstuck Edmund Schneider ist diese jedoch in ihrer Sicherheit gefährdet. 1989 wird eine neue Kindereinrichtung an der Kaufhalle ihrer Bestimmung übergeben.

Seit 1965 wird permanent an der Verbesserung der Wohnbedingungen im Ort durch vielfältige Baumaßnahmen gearbeitet. Es entstehen an der Straße des Aufbaus und am Sportplatz Eigenheimbauten sowie Wohnblockbauten an der Kaufhalle. Viele weitere Maßnahmen, wie der Bau der Festhalle auf dem Heerstall, Schaffung eines Friseursalons, Veränderungen der Poststelle usw. runden das Bild der Entwicklung ab. Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nehmen in den Jahren einen immer schlechteren Verlauf. So bedeuten die Ereignisse des Jahres 1989 und folgende auch für Uftrungen eine tief greifende Wende. In fast allen großen Betrieben des Ortes, wie in der LPG Pflanzen- und Tierproduktion, Pyrotechnik Silberhütte, Flussschacht, Kaufhalle usw. führte die Einführung der Marktwirtschaft zu zahlreichen Arbeitsplatzverlusten. Dennoch waren die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen unübersehbar. Überall im Ort wird gebaut, erneuert, modernisiert und rekonstruiert. Das Dorfbild verändert sich weiterhin ständig.

 

 

Mittlerweile gibt es auch ein Uftrunger Lied:

 

Text: Peter Kohl

Musik: Jean Frankfurter & Irma Holder für Helene Fischer

Mitten im Thyratal

Der Wald bewegt sein Blätterkleid
Ganz leis‘ im Wind
Von Buchen-, Linden-, Eichenlaub
die Bäume sind
Gleich hinterm See sich ein Berg erhebt
des Hages Grün uns zum Verweilen lädt
im Frühling Dich ein Blütenmeer umgibt

Refrain:
Zwischen Josephskreuz
und Kyffhäuserland
Mitten im Thyratal
liegt die Heimat stolz an der Hasel Band
Mitten im Thyratal
Alle Zeit geseh’n, dich hat viel bewegt
in welche Richtung sich die Welt gedreht
Du bleibst unsre Wahl
Mitten im Thyratal

Im Berg versteckt hat sich ein Dom
einmalig ist
die wunderbare Unterwelt
aus Stein und Gips
dort wo einst die Burg Arnswald stand
in der Bernecke man eine Kirche fand
die Zeugen aus schon längst vergang‘nem Tag

Refrain:

Zwischen Josephskreuz und Kyffhäuserland…

Bridge:

Grund, Diebeshöhle,
Steingraben, Kirche
Elsgrube, Kolpach und Rieth

Refrain:

Zwischen Josephskreuz und Kyffhäuserland…

Und hier mit Ton:  Uftrunger Lied

Weiterlesen: Die Heimkehle